Seit 1842: Rauchwarenfirma Nachmann Fein in Leipzig / Nachmann Fein: fur company in Leipzig since 1842

Nachmann Fein (1818 Brody – 1887 Leipzig) kam um 1840 aus Brody nach Dessau in Anhalt von wo aus er 1842 den Handel mit Hasenfellen in Leipzig aufnahm. Seit 1848 besaß Nachmann einen Fremdenpass für Leipzig. Um 1860 zog er mit seiner Familie in die Leipziger Ostvorstadt. 1870 erhielt Nachmann Fein das Bürgerrecht der Stadt Leipzig.

Nachmann Fein (1818 Brody – 1887 Leipzig) came to Dessau in Anhalt from Brody around 1840, from where he began trading in rabbit furs in Leipzig in 1842. From 1848, Nachmann possessed a foreigner’s passport for Leipzig. Around 1860, he moved with his family to the eastern suburbs of Leipzig. In 1870, Nachmann Fein was granted citizenship of the city of Leipzig.

Rauchwarenfirma Leon Fein / fur company Leon Fein

Leon (Chaim Leib) Fein (1848 Zborov – 1901 Leipzig) arbeitete im Rauchwarengeschäft seines Vaters. 1877 erhielt er das Bürgerrecht und heiratete Charlotte Aschkenazy aus Krakau, die sich bei Henriette Goldschmidt als Kindergärtnerin ausbilden ließ. In der Eberhardstr. 10 wurden zwei der Söhne und eine Tochter geboren. Charlotte Fein starb 1887 drei Monate nach der Geburt des jüngsten Sohnes. Leon Fein zog mit seinen vier kleinen Kindern zu seiner Schwester Rosa, die mit ihren Söhnen in der Humboldtstr. 25 wohnte. Erst nach seinem Tod gelang es den Söhnen die Firma Fein zu großem Erfolg zu führen.

Leon (Chaim Leib) Fein (1848 Zborov – 1901 Leipzig) worked in his father’s fur trade. In 1877, he received citizenship and married Charlotte Aschkenazy from Krakow, who trained as a kindergarten teacher with Henriette Goldschmidt. Two of their sons and a daughter were born at Eberhardstrasse 10. Charlotte Fein died in 1887, three months after the birth of their youngest son. Leon Fein moved with his four young children to live with his sister Rosa, who lived with her sons at Humboldtstrasse 25. Only after his death were his sons able to lead the Fein company to great success.

Fein & Co., Felle und Rauchwaren Brühl 68 / Fein & Co., Furs and „Rauchwaren“, Brühl 68

1902, nach dem Tod des Vaters gründeten Alexander und Siegmund Fein (ab 1910 auch Wilhelm Fein) die Rauchwarenfirma Fein & Co, die mit Hasenfellen für die Hutfabrikation, aber auch mit Fehschweif für Kragen etc. handelte. In den Zwanziger Jahren erwarb die Firma mehrere Grundstücke u.a. 1922 das sogenannte Märchenhaus in der Weststr. 81 (heute Friedrich-Ebert-Straße), 1929 den Gebäudekomplex Brühl 27 und Richard-Wagner-Str. 13, der sogenannte Lattermannshof. Bis auf das schwer beschädigte Märchenhaus wurden diese arisierten Gebäude im Krieg zerstört.

In 1902, after the death of their father, Alexander and Siegmund Fein (and from 1910 also Wilhelm Fein) founded the fur company Fein & Co., which traded in rabbit furs for hat manufacturing, as well as squirrel tails for collars, etc. In the 1920s, the company acquired several properties, including the so-called Fairy Tale House at Weststrasse 81 (today Friedrich-Ebert-Strasse) in 1922, and the building complex at Brühl 27 and Richard-Wagner-Strasse 13, the so-called Lattermannshof, in 1929. With the exception of the severely damaged Fairy Tale House, these Aryanized buildings were destroyed during the war.

Alexander Fein (1877 Leipzig – 1928 Leipzig) studierte ab 1897 an der Universität Leipzig Jura und war seit 1905 Rechtsanwalt beim Land- und Amtsgericht als Associé von Justizrat Gustav Broda. Er heiratete Elisabeth Klein aus Straßburg. 1906 wurde ihr Sohn Gerhard geboren. Zunächst wohnten seine beiden jüngsten Geschwister Emilie und Wilhelm bei ihm. Seit 1912 wohnte die Familie in der Erdgeschosswohnung der Gohliser Str. 23 (heute Nr. 15). 1914 musste Alexander Fein wegen einer schweren
Erkrankung, an der er 1928 starb, seinen Beruf aufgeben. Um seine Rechte und die seines Sohnes Gerhard in der Firma zu wahren, trat für einige Zeit sein Schwiegervater, Leon Klein, als Gesellschafter in die Firma ein. 1936 verließ Elisabeth Fein Leipzig in Richtung London. Später wanderte sie nach.

Alexander Fein (1877 Leipzig – 1928 Leipzig) studied law at the University of Leipzig from 1897 and, from 1905, was a lawyer at the Regional and District Court as an associate of Justice Councilor Gustav Broda. He married Elisabeth Klein from Strasbourg. Their son Gerhard was born in 1906. Initially, his two youngest siblings, Emilie and Wilhelm, lived with him. From 1912, the family lived in the groundfloor apartment at Gohliser Straße 23 (today No. 15). In 1914, Alexander Fein had to give up his profession due to a serious illness, from which he died in 1928. To protect his rights and those of his son Gerhard in the firm, his father-in-law, Leon Klein, joined the company as a partner for a time. In 1936, Elisabeth Fein left Leipzig for London. Later, she emigrated to America. The house at Asterstraße 11 (today Balzacstraße), which belonged to her, was destroyed in the war.

Siegmund Fein (1880 Leipzig – 1942 New York) absolvierte eine kaufmännische Lehre. Er war zunächst allein persönlich haftender Gesellschafter der Firma, während Alexander stiller Teilhaber war.Seit 1908 war er mit Anna Maria Händel verheiratet. In der Mendelssohnstr. 7 wurden die Kinder Hans,Charlotte und Wilhelm geboren. 1918 zog die Familie nach Gohlis in die Lindenthaler Str. 5. AnnaMaria Fein starb mit nur 30 Jahren. Der Witwer heiratete 1920 Erna Kreutzberger. Die Tochter Mariannewurde 1921 geboren. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938, als in ganz Deutschland die Synagogen brannten, wurden Siegmund und Erna Fein verhaftet. Siegmund wurde nach Buchenwald deportiert von wo er im Dezember durch Hilfe seiner Frau, aber als schwerkranker Mann, zurückkam. Er starb kurz nach der Flucht der Familie in den USA. Die einzige Schwester Emilie Fein verheiratete Sekler, konnte Deutschland mit ihrer Familie nicht mehr rechtzeitig verlassen. Sie wurden Opfer des Holocaust.

Siegmund Fein (1880 Leipzig – 1942 New York) completed a commercial apprenticeship. He was  initially the sole personally liable partner in the company, while Alexander was a silent partner. He married Anna Maria Händel in 1908. Their children, Hans, Charlotte, and Wilhelm, were born at Mendelssohnstrasse 7. In 1918, the family moved to Gohlis, to Lindenthaler Strasse 5. Anna Maria Fein died at the young age of 30. The widower married Erna Kreutzberger in 1920. Their daughter, Marianne, was born in 1921. On the night of November 9–10, 1938, as synagogues burned across Germany, Siegmund and Erna Fein were arrested. Siegmund was deported to Buchenwald concentration camp, from where he returned in December with his wife’s help, but as a seriously ill man. He died shortly after the family’s escape to the USA. The only sister, Emilie Sekler born Fein, was unable to leave Germany with her family in time. They became victims of the Holocaust.

Wilhelm Fein (1886 Leipzig – 1954 London), der jüngste der Fein-Brüder heiratete Antonie Bertha Schloss aus Frankfurt am Main und bezog mit ihr die Erdgeschosswohnung der Berggartenstr. 8. Hier wurden die drei Kinder Helmut, Rolf und Annelore geboren. 1928 ein Umzug in die Springerstr. 11. Sein Sohn Rolf wurde 1938 an seiner Stelle nach Buchenwald eportiert. Die Familie von Wilhelm Fein verließ Deutschland im März 1939 in Richtung Großbritannien. Der Sohn Herbert war schon 1935 zu
seinem Cousin Gerhard nach London gereist. Rolf Fein ging nach Amerika und trat in die US-Armee ein. Er wurde als Dolmetscher dem Geheimdienst der Armee zugeteilt und in Italien stationiert. 1944 konnte er seine Jugendliebe Claire Linden heiraten. Er starb hochbetagt 2011..

Wilhelm Fein (1886 Leipzig – 1954 London), the youngest of the Fein brothers, married Antonie Bertha Schloss from Frankfurt am Main and moved with her into the ground-floor apartment at Berggartenstrasse 8. Their three children, Helmut, Rolf, and Annelore, were born there. In 1928, the family moved to Springerstrasse 11. His son Rolf was deported to Buchenwald in 1938 in his place. Wilhelm Fein’s family left Germany for Great Britain in March 1939. His son Herbert had already traveled to London in 1935 to join his cousin Gerhard. Rolf Fein went to America and joined the US Army. He was assigned to Army Intelligence as an interpreter and stationed in Italy. In 1944, he was able to marry his childhood sweetheart, Claire Linden. He died at a very advanced age in 2011.

Gerhard Fein, der 1906 geborene einzige Sohn von Alexander und Elisabeth Fein, besuchte in Gohlis das Schillergymnasium. Ab 1925 studierte er Philosophie und Politische Ökonomie an der Uni Leipzig und danach Jura. 1932 wurde er als Rechtsanwalt zugelassen. Er heiratete die Leipzigerin Alice Lustig. In seinem Beruf konnte er kaum arbeiten, da die Nationalsozialisten mit dem Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums ihm das Arbeiten in Deutschland unmöglich machten. Er wanderte Ende 1933 nach Großbritannien aus. Da er in seinem Exilland nicht in seinem Beruf arbeiten konnte, gründete er seine eigene Rauchwarenfirma mit der er sehr erfolgreich war. Nach dem Ausbruch des zweiten Weltkriegs wurde er als deutscher Staatsbürger, als „enemy alien“ vorübergehend interniert. 1946 bekamen Gerhard Fein und seine Ehefrau Alice die englische
Staatsbürgerschaft. Ihre vier Kinder wuchsen in London auf. Gerhard Fein, der sich in England Gerald nannte, starb 1984 während einer Reise in Hongkong.

Gerhard Fein, the only son of Alexander and Elisabeth Fein, born in 1906, attended the Schiller Gymnasium in Gohlis. From 1925, he studied philosophy and political economy at the University of Leipzig, and later law. He was admitted to the bar in 1932. He married Alice Lustig, a Leipzig native. He was hardly able to practice law, as the Nazis‘ Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums (Law for the Restoration of the Professional Civil Service) made it impossible for him to work in Germany. He emigrated to Great Britain at the end of 1933. Unable to practice his profession in his adopted country, he founded his own fur company, which was very successful. After the outbreak of the Second World War, he was temporarily interned as an „enemy alien“ due to his German citizenship. In 1946, Gerhard Fein and his wife Alice became British citizens. Their four children grew up in London. Gerhard Fein, who went by the name Gerald in England, died in 1984 while traveling in Hong Kong.