Häuser-Geschichten Ehemaliges Kinderheim

Von Katja Haß

Die Stadt Leipzig baute 1939 den Zöllnerweg 6 als Kinderheim. Das schlichte, schiefergedeckte Gebäude liegt abseits hinter dem Mückenschlösschen im Rosental und war und ist das einzige Gebäude im Zöllnerweg. Im Leipziger Adressbuch von 1939 ist es verschleiernd als Jugendherberge angegeben, im gleichen Jahr ist Fritz Zeidler in verschiedenen Verzeichnissen einmal als Herbergswart und einmal als Heimwart des Zöllnerweg 6 geführt.

Auch in der DDR war der Zöllnerweg 6 ein Kinderheim. Anfänglich lebten hier 15 Kinder, später bis zu 40. Im ersten Jahrzehnt der DDR war es ein Spezialkinderheim für sogenannte schwer erziehbare Kinder mit „normaler Schule“ (nicht Hilfsschule).

Ab den 1960iger Jahren war es ein Spezialkinderheim mit dem Namen „Weg ins Leben“ für geistig behinderte Kinder mit Fördergrundschule. Das bedeutet, dass die Mädchen und Jungen für den Schulbesuch den Zöllnerweg 6 nicht verließen und relativ isoliert lebten. 1974 verfügte nur ein Lehrer im Zöllnerweg über eine Qualifikation als Sonderschullehrer. 1984 waren mehr als die Hälfte des Heimpersonals zwangsabgeordnete Studienabsolventen (Berufsanfänger), denn in der DDR war es schwer, Personal für Kinderheime zu bekommen. Der Fond Heimerziehung in der DDR und dessen Beratungsstellen widmen sich der Geschichte von DDR-Kinderheimen und deren Aufarbeitung.

Nach der Wende wurde das Haus von der Jugendhilfe der Stadt Leipzig für eine Tagesgruppe genutzt. Es war stark baufällig, wurde verkauft und 2005 umfangreich umgebaut. Aus dem L-förmigen Gebäudekomplex mit Haupthaus, Aufenthalts-, Schlafräumen und Küchentrakt entstanden Reihenhäuser mit Eigentumswohnungen und eigenen Gärten.

Foto: Uwe Haß

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14 Kommentare

  1. Ich war von 1982 – 1985 dort in diesem Heim.
    Ich empfinde nur Trauer und Schmerz ,wenn ich an dieser Zeit zurück denke.
    Kinder wie ich eins war wurden gequält, isoliert, nur um zu funktionieren.

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    • Ich war von 1964 bis 1966 in diesem Schwererziebarem Spezial Kinderheime wie man es damals genannt hat.Am ersten Tag hatte ich die Hände in der Tasche da wir bevor wir an den Tischen im Speiseraum Platz nehmen durften an geschrien von der Hexe wie wir sie nannten Fr.Ammon hast du gesprochen wurf sie einen schweren Schlüsselbund Ihr war es egal wehm sie traf dann das Essen beendet u.misstest stehen bis alle fertig waren auch bei der Nachtruhe durfte kein Ton fallen dann hieß es neben dem Erzierzimmer mit dem Gesicht zur Wand stehen bis zum Umfallen u.das einzige was ich dort gelernt habe Sky fahren im Erzgebirge Johangerogenstadt in den Winderferien ich weiß nur der Erzier hatte an einer Hand nur noch drei Finger zum Tuschen ging man in den Keller meinGruppenerzieher hatte Herr Tschau der war nicht so streng ja ich kann auch einiges mehr sagen. Heute bin ich 66Jahre habe nichts vergessen.

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  2. Ich war auch in den Kinderheim von ca. 1984/85 – 1987/88. Kann mich an ein Müller erinnern aber an kein Heiko, sollte es so sein müssten wir uns kennen.der Zeitraum passt ja.

    Der Heimleider war damals in der Zeit ein gewisser Herr Damm. Glaub ich mich zu erinnern.

    Es gab gute Zeiten aber auch sehr viele schlechte Zeiten.
    Was mich interessieren würde , gibt es das Heim überhaupt noch.weil mein Heimatort war und ist immer noch SachsenAnhalt und wurde damals nach Leibzig gebracht.is ja auch nicht gleich um die Ecke.

    Für Kommentare bin ich erfreut. Grüße……

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    • Hallo, ich komme immer wieder auf diese Seite…. Ich suche einen daniel koci der 83/84 ins Kinderheim am Rosenthal gekommen ist. Vielleicht kennt ihn jemand von euch….. Meine Mama war damals kinderkrankenschwester und hat ihn ein Jahr lang betreut bis er eben ins Kinderheim kam….. Er wird sich an die Schwestern nicht mehr erinnern immerhin war er gerade mal 1 Jahr aber meine Mama hat ihr nie vergessen und eigentlich möchte ich nur für sie heraus finden ob es ihm gut geht. Danke

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    • Guido.mit dem Namen,Herr Damm als Heimleiter hast du recht.es gab später auch eine Frau Ackermann,die Heimleiterin&Leiterin der Schule mit war,die im Gebäude war.Als Erzieherin erinnere ich mich an die Namen.: Fr.Müller,Herr Müller,Fr.Baum,Fr.Kowalevcki

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    • Hallo Guido
      Ich bin Heiko Mülker und war von 1984 bis 1987 in diesem Spezialkinderheim ( laut Akte). Ich weiß noch einige Namen der Erziherinen ( Frau Ring, Frau Jänke, Frau Muschwitz). Ich weiß jetzt nicht ob die Namen richtig geschrieben wurden. Ich erninnere mich, dass wir mal zu den Winterferien nicht nach Hause durften um alle nach Wildentahl zu verreisen ( der Horror) was da geschah.
      LG aus 19322 Wittenberge

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      • Hallo
        An Frau Muschwitz kann ich mich sehr gut erinnern, ich war von 1982 bis 1985 dort.
        Ich erinnere mich sogar noch an einen Herr Krull / Krüll.
        Liebe Grüße

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  3. War von 77-79 im Weg ins Leben zöllner weg.
    Andreas Wächter, Maik Eisenhaber, Lutz Löwe

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  4. Von 77 bis 79 meine Erzieher waren Peter Schmidt und Brigitte Steimann

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  5. Ich möchte mehr über die Geschichte dieses Kinderheimes erfahren, auch wenn es weh tut.

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  6. In der Zeit von 1984 – 1987 befand ich mich auch in diesem “ Kinderheim“. Es war schrecklich. Uns wurden Bücher unter die Arme geklemmt damit wir beim Essen mit Messer & Gabel nicht die Ellenbogen zuweit ausstreckten ( also dicht am Körper hielten). Beim rodeln im Winter durften wir nicht lachen und sprechen. Und mehr als 40 mal am Tag stramm-stehen, vor jeder Tür bevor es die nächsten Meter weiter ging. Selbst Strafgefangene im heutigen Knast haben mehr Rechte und Freiheiten als wir Kinder damals in diesem Heim

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  7. In der Zeit von 1984 – 1987 befand ich mich auch in diesem “ Kinderheim“. Es war schrecklich. Uns wurden Bücher unter die Arme geklemmt damit wir beim Essen mit Messer & Gabel nicht die Ellenbogen zuweit ausstreckten ( also dicht am Körper hielten). Beim rodeln im Winter durften wir nicht lachen und sprechen. Und mehr als 40 mal am Tag stramm-stehen, vor jeder Tür bevor es die nächsten Meter weiter ging. Selbst Strafgefangene im heutigen Knast haben mehr Rechte und Freiheiten als wir Kinder damals in diesem Heim

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    • Hallo Heiko.
      Rodeln meinst Du in Oberwiesenthal.
      War jede Winterferien.
      Sommerferien war Sellin auf Rügen.
      Liebe Grüße

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  8. Das Haus wurde von vornherein als Jugendherberge von der Stadt Leipzig gebaut und hat vom ersten Tag an (1939) als solche gedient. Erst nach 1945 wurde es zum Kinderheim umfunktioniert. Ich bin dort geboren und lebte dort bis zum Mai 1945 mit meinen Eltern, Fritz und Dora Zeidler, die dort die Jugendherbergseltern waren, sowie mit meinen beiden Geschwistern. Wir waren dort die einzigen Kinder. Für weiter Auskünfte stehe ich Ihnen gern zur Verfügung

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