Die zuletzt doch sehr verschandelten Blumenkübel auf dem Liviaplatz sind mit einer tollen Graffiti-Aktion deutlich aufgewertet worden. Die Künstler haben sie im Auftrag und auf Initiative des Amtes für Stadtgrün und Gewässer besprüht. Der Bürgerverein wurde nach Motivvorschlägen gefragt und wir haben uns ziemlich schnell auf „Vögel des Rosentals“ verständigt. Wir erleben die Tiere bei unseren Spaziergängen überall und der Bürgerverein veranstaltet ja auch einmal im Monat eine vogelkundliche Wanderung durch das Rosental. Der Leiter unserer AG Natur, Herr Dr. Klemm, hat bei den Motiventwürfen auch beratend zur Seite gestanden. Der Liviaplatz hat mit der neuen Bepflanzung und den schönen Vogelbildern wieder ein deutlich freundlicheres Gesicht.
Bei der Evaluation des Platzes wurde ja gerade die Platzgestaltung eher kritisch gesehen, obwohl die Verkehrsberuhigung dagegen durchgängig extrem positiv bewertet wurde. Das Ergebnis der Evaluation wurde am 22. Januar im Stadtbezirksbeirat Mitte vorgestellt. Kurzgefasst lautet das Ergebnis: die Zustimmung zu der jetzigen verkehrsberuhigten Lösung ist groß. Hier können Sie die gesamte Präsentation einsehen: https://ratsinformation.leipzig.de/allris_leipzig_public/TO010?TOLFDNR=2186276&SILFDNR=2004776
Das aufwändige Evaluations-Verfahren wurde vom im Waldstraßenviertel ansässigen Stadt- und Verkehrsplanungsbüro „Stadtlabor“ durchgeführt. Dabei wurden alle drei Ausbaustufen des Liviaplatzes untersucht: Vor und nach der Umgestaltung sowie während der teilweisen Öffnung zum Zeitpunkt der Sperrung der Waldstraße. Die Ist-Analyse fand im April 2022 statt, die Umgestaltung des Platzes erfolgte dann im Mai. Zuvor hatte das Stadtplanungsamt eine Bürgerbeteiligung zu verschiedenen Gestaltungsvarianten durchgeführt. Die Beteiligung der Bewohnerinnen und Bewohner war überaus lebhaft. Am Ende setzen sich die aufgemalten Hüpfspiele für Kinder durch, die bis heute zu jeder Jahreszeit rege genutzt werden. Aufgrund der Öffnung des Modellprojektbereiches zwischen März 2023 und Februar 2024 wurde der Projektzeitraum verlängert und die Untersuchung im März des vergangenen Jahres dann abgeschlossen.
Insgesamt fanden sieben Verkehrserhebungen statt, in der Regel an zwei Tagen (Werktag und Wochenende mit jeweils vier Zählungen á 45 Minuten. Vor Ort wurden außerdem Befragungen zur Nutzungs- und Gestaltungsqualität sowie Beobachtungen zum Nutzungsverhalten durchgeführt.
Das Ergebnis der Verkehrszählung: Der Kfz-Verkehr ist erheblich zurückgegangen, sicher auch weil seitdem die „Abkürzung“ durch das Waldstraßenviertel nicht mehr möglich ist. Das Fußverkehrsaufkommen ist dagegen vor allem an den Wochenenden stark angestiegen.
Die verkehrliche Umgestaltung stößt auf eine große Zustimmung. Der alte Zustand gefiel 38% der Befragten „sehr wenig“ und 25% „wenig“. Lediglich 3% fanden die Gestaltung „sehr gut“. Nach dem Umbau hat sich dieser Eindruck komplett gedreht. Jetzt antworteten 66% der Menschen auf die Frage „Wie gefällt Ihnen der Platz verkehrlich?“ mit „sehr gut“ und „gut“. Während der teilweisen Öffnung gingen diese Werte spürbar zurück. Nach der erneuten Schließung stieg die Zustimmung dagegen wieder auf rund zwei Drittel.
Noch klarer fällt das Ergebnis beim Sicherheitsempfinden auf dem Liviaplatz aus. Vor der Umgestaltung fühlten sich 30% der Passanten „sehr unsicher“ und noch immerhin 38% nur „mäßig sicher“. Lediglich 15% gaben „sehr sicher“ zu Protokoll. Heute vergeben drei Viertel, also eindrucksvolle 75% der Menschen die beste Bewertung „sehr sicher“ (während der Teilöffnung sank dieser Wert übrigens auf 25%). Auch hier ein klares Votum für die derzeitige Lösung.
Lediglich bei der Platzgestaltung hat die anfängliche große Zustimmung über die Jahre sehr stark nachgelassen. Angesichts der abgestorbenen Bäume in den mit Graffiti übersäten Kübeln war das auch wenig verwunderlich. Hier hat die Stadtverwaltung inzwischen reagiert, die toten Bäume mittlerweile entfernt und eine Neubepfanzung veranlasst. Im Frühjahr spießt dann hoffentlich wieder ansehnliches Grün. Und auch die großen Kübel sind mit den Vogel-Motiven inzwischen auch wieder ein echter Hingucker.
Das Stadt- und Verkehrsplanungsbüro kommt zu dem kurzen Schluss: Das „Modellprojekt war erfolgreich“. Es gebe angesichts der kritischen Bewertung der Gestaltung zwar Optimierungsbedarf, es sei aber eine deutliche Verkehrsreduzierung und eine verbesserte Platzqualität erzielt worden. Der Raumgewinn für die Aufenthaltsnutzung und die gesteigerte Sicherheit würden positiv bewertet. Deswegen plädiert das „Stadtlabor“ für eine Fortführung der jetzigen Lösung.

