Häuser-Geschichten: Villa Carl Linnemann

Von Katja Haß

Die freistehende spätklassizistische Villa Gustav-Adolf-Straße 19 wurde für den Kaufmann Carl Linnemann 1859 gebaut. Sie hat echte Sandsteinverzierungen in Form von Frucht- und Blumengirlanden über dem Hauseingang und an den  Fenster­umrandungen.

Der Tuchhändler Carl Linnemann (1810 – 1892) zog im 19. Jahrhundert von Hessen nach Leipzig und verkaufte in der Katharinenstraße sogenannte Wiener Schals – hochwertige handgewebte Seidentücher. Er erwarb vor den Toren der Stadt Schwägrichens Gartenland, später als Linnemannscher Garten bezeichnet. Dieses Areal umfasste die spätere Leibnizstraße und Teile der Gustav-Adolf-Straße, Hinrichstenstraße und Färberstraße. Die Kaufmannsfamilie ließ in diesem Teil des Waldstraßenviertels mehrere Villen und Häuser bauen, die sie selbst bewohnte oder verkaufte. Durch das lukrative Immobiliengeschäft konnten Linnemanns 1870 den 1823 gegründeten Musikverlag Kistner & Siegel kaufen, der zu den großen Musikverlagen in Leipzig neben Breitkopf & Härtel, C.F. Peters oder Friedrich Hofmeister Musikverlag gehörte.

Es folgten mehrere Besitzerwechsel der hochherrschaftlichen Villa. Ab 1919 war der Kaufmann Christian Hinkel Eigentümer des Hauses. Er bewohnte langjährig mit seiner Familie das Erdgeschoss und nutzte die erste Etage als Büro für seine Kohlengroßhandlung.

Zu DDR-Zeiten war die Villa eine Außenstelle der Leipziger Gebäudewirtschaft. Sie bewirtschaftete und verwaltete Häuser im Waldstraßenviertel. Die Villa selbst  wurde jahrzehntelang baulich vernachlässigt und war nach der Wende mehrere Jahre unbewohnbar. Erst 2006 wurde sie nach rund 145 Jahren erstmalig grundlegend saniert und um ein Dachgeschoss erweitert

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