Das Fechner-Denkmal im Rosental

Von Dagmar Geithner

Gustav Theodor Fechner (1801-1887) zum 130. Todestag
Von manchen Besuchern vielleicht bisher unbemerkt, befindet sich das Denkmal nun schon seit 120 Jahren hier vor Ort. Seitdem der Standort sich auf der Gemarkung des Leipziger Zoologischen Gartens befindet und der direkte Zugang zum Denkmal nur  während der Öffnungszeiten der „Hacienda“ möglich ist, wird es sicher weniger wahrgenommen. Früher führte ein Weg die Spaziergänger direkt daran vorbei. Die 70 Zentimeter hohe Bronzebüste steht auf einem 1,80 Meter hohen Granitsockel. Die ursprüngliche Büste wurde von Gustav Kietz (1826-1908) geschaffen, aber Anfang der 1940er Jahre im Rahmen der „Metallspende“ für die deutsche Rüstungsindustrie eingeschmolzen. 1983 wurde sie von Hans Joachim Förster (*1929) rekonstruiert. Das Denkmal wurde zum zehnten Todestag Fechners von seinem Schüler Paul Julius Möbius (1853-1907) gestiftet und am 17. April 1897 eingeweiht.

Das Fechner-Denkmal im Rosental; Foto: Dagmar Geithner

Das Fechner-Denkmal
im Rosental; Foto: Dagmar Geithner

Gustav Theodor Fechners Wirken geht weit über die Stadt Leipzig hinaus, die ihm 1894 die Ehrenbürgerschaft verlieh. Es ist unbestritten, dass er einer der Großen in der Wissenschaftsgeschichte war. So gilt er auch heute noch als hervorragender Physiker und Begründer der Psychophysik, einer der wichtigsten Grundlagen der modernen Psychologie. Das „Weber-Fechnerische Gesetz“ ist nach W. Meischer eine der bedeutendsten wissenschaftlichen Entdeckungen des 19. Jahrhunderts. Fechner vereinte in sich den naturwissenschaftlichen Forscher und philosophischen Denker, aber auch den geistvollen Zeitkritiker und satirischen Schriftsteller, den Lyriker, Lexikographen und Übersetzer. Seine Bibliographie verzeichnet 169 zum Teil mehrbändige Veröffentlichungen.

Schon mit sechzehn Jahren schrieb sich der Pfarrerssohn aus der Niederlausitz, nach dem Besuch der Dresdner Kreuzschule, an der Medizinischen Fakultät der hiesigen Universität zum Studium ein, das er im Jahr 1819 beendete. Den Arztberuf übte Fechner aber nicht aus, vielmehr bildete er sich durch Literaturstudien weiter. Besonders schätzte er den Physiologen Ernst Heinrich Weber und den Mathematiker und Astronomen Carl Brandan Mollweide. Unter dem Pseudonym Dr. Mises veröffentlichte Fechner mehrere kleine Schriften: Gedichte, Rätsel und Satiren zur Medizin. Obwohl sehr bald bekannt wurde, wer hinter dem Pseudo­nym steckte, verwendete Fechner es mehrere Jahrzehnte. Nach Jahren der Forschung und Übersetzungsarbeiten wurde Fechner 1834 zum ordentlichen Professor der Physik an der philosophischen Fakultät der Universität berufen. Neben seiner Vorlesungstätigkeit experimentierte er weiterhin in seinem privaten Laboratorium zum Thema Galvanismus und Fragen der Optik. Viele Befunde sind noch heute mit seinem Namen verbunden (Erinnerungsnachbild, Fechner’sches Paradox, Fechner-Benham-Farben). Jahre später begann Fechner dann mit Arbeiten, die die Psychophysik und die „Leipziger Schule“ begründeten („Elemente der Psychophysik“ in zwei Bänden, 1860).

Zu den Ehrungen, die Fechner erhielt, zählen u.a. der medizinische Ehrendoktor der Universität Leipzig und die Mitgliedschaft in vielen wissenschaftlichen Akademien. Die Grabrede hielt übrigens kein Geringerer als Wilhelm Wundt, der Gründer des weltweit ersten Instituts für Psychologie in Leipzig.

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