Damals und heute – das Waldstraßenviertel

Von Petra Cain

So könnte der Titel unseres 21. Waldstraßenviertelkalenders für das Jahr 2017 lauten, denn diesmal überraschen wir Sie mit jeweils zwei Blicken auf einen Ort im Viertel oder ganz in der Nähe. Nehmen wir beispielsweise das Dezember-Blatt. Auf dem Foto der Zeppelinbrücke aus diesem Jahr wirkt das isolierte, mächtige Bauwerk in der winterlichen, kalten Stille wie ein Solitär in der Landschaft.

Ein Blick auf ein Bauwerk – das ist ja wie immer beim Kalender, werden Sie sich denken. Aber diesmal haben wir unseren Fotografen Andreas Seller gebeten, aus Postkarten oder alten Fotos bekannte Perspektiven so genau wie möglich zu wiederholen, vom gleichen Standort aus die Gegenwart gegen den Blick der Vergangenheit zu setzen. Was überlebte ein Jahrhundert, ohne zerstört oder umgebaut zu werden? Welche Orte haben sich bis zur Unkenntlichkeit verändert? Damit Sie das beurteilen können, haben wir die Aufnahmen von heute mit den Postkarten von damals zusammengestellt. Um bei unserem Beispiel zu bleiben: Die Zeppelinbrücke quert immer noch das Elsterbecken und hat fast unverändert u. a. zwei Weltkriege überstanden.

Die Carl-Maria-von-Weber-Straße, unser Titelbild, hatte dagegen ein ganz anderes Schicksal, auch wenn die Bilder sich gleichen – mal abgesehen von der moderneren Wohnbebauung. Aber wer schon länger im Viertel wohnt, weiß, dass der erst seit kurzem wieder unter freiem Himmel liegende Elstermühlgraben lange Jahre im Untergrund durch Rohre floss und nicht zu sehen war. So täuscht der Vergleich eine Ähnlichkeit zwischen damals und heute vor, die Jahrzehnte lang gar nicht bestand.

Der Kalender 2017 bietet außerdem noch historische Informationen zu jedem Standort auf der Rückseite der Blätter. Ohne zwei ausgewiesene Kenner und langjährige Bewohner des Viertels wäre er nicht zustande gekommen. Andreas Seller betreibt die Fotografie schon viele Jahre als Hobby, seit 1999 ist er Mitglied des Fotoclubs 58. Er ist gebürtiger Leipziger und wohnt seit 1976 im Waldstraßenviertel. Das Kalenderprojekt mit der Gegenüberstellung von gestern und heute hat ihn von Anfang an fasziniert und selbst die manchmal mehr als schwierige Standortsuche, die den Vergleich zur Postkarte von damals möglich machte, konnte ihn nicht abschrecken.

Reinhard Müller ist ebenfalls in Leipzig geboren, lebte Jahrzehnte in der Christianstraße und engagiert sich seit mehreren Jahren im Bürgerverein. Er beschäftigt sich schon lange intensiv mit der Geschichte des Viertels. Aus seiner großen Postkartensammlung stammen einige der „Damals-Bilder“ und er beschaffte auch die Motive, die sich in seiner Sammlung nicht fanden. Außerdem stellte er die Informationen zusammen.
Beide Kalendermacher können Sie bei unserer Präsentation des Kalenders im Bürgerverein kennenlernen. Außerdem ist es eine gute Gelegenheit, sich schon im Oktober mit idealen Leipziger Weihnachtsgeschenken einzudecken.

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