Mitgliedskarte Nr. 001: Siegfried Heinrich und der Bürgerverein

Im Januar unseres Jubiläumsjahres bekam der Bürgerverein einen Bericht, der ausführlich die Gründungsumstände des Bürgervereins Waldstraßenviertel schildert. Geschrieben hat ihn Siegfried Heinrich, der als eines der Gründungsmitglieder und Inhaber der Mitgliedskarte Nr. 001 weiß, wovon er redet. Wir stellen ihn in unserer Reihe zum Jubiläumsjahr vor.

1956 kam der 1935 in der Nähe von Zittau geborene Siegfried Heinrich zum Sport- und Russischstudium nach Leipzig an die 1950 gegründete Deutsche Hochschule für Körperkultur (DHfK). Seine Frau Hannelore, ebenfalls Sportstudentin, lernte er hier kennen. Schon damals lebte er in Sichtweite des Viertels, denn die Studenten wohnten z.T. im Dachgeschoss der heutigen AOK-Zentrale an der Jahnallee. Weit entfernt haben sich Siegfried Heinrich und seine Frau von ihren Leipziger Anfängen bis heute nicht, denn 60 Jahre später hat man von ihrer Terrasse über die Dächer hinweg einen unverstellten Blick auf eben dieses Dachgeschoss.

Nach dem Abschluss des Studiums im Jahr 1959 wurde er zuerst als Sportfunktionär eingesetzt, ab 1965 begann er in seinem Ausbildungsberuf als Lehrer an der 34. Schule in Eutritzsch zu arbeiten, der heutigen Linné-Schule. Nach fünf Jahren kehrte er auf Grund einer Verpflichtung zum Hochschuldienst zurück an die DHfK. Hier arbeitete er im Bereich Fachinformation, wo Sportliteratur aus aller Welt durchforstet und den Wissenschaftlern des Institutes zugänglich gemacht wurde.

1969 wurde das Forschungsinstitut für Körperkultur und Sport (FKS) gegründet, in dem 1974 auch Siegfried Heinrichs Fachbereich aufging. Bei dieser Institution arbeitete er, bis die gesamte DHfK einschließlich des FKS nach der friedlichen Revolution abgewickelt wurde. Nur wenige Mitarbeiter wurden in die Nachfolgeorganisationen der DDR-Einrichtungen übernommen, er gehörte nicht dazu. So fand er sich 1992 mitten in den Umbruchsjahren mit 57 Jahren im Ruhestand wieder.

Migliedskarte Nr. 001: Siegrfied Heinrich / Bürgerverein Waldstraßenviertel e. V.; Repor: Petra Cain

Migliedskarte Nr. 001: Siegrfied Heinrich / Bürgerverein Waldstraßenviertel e. V.; Repro: Petra Cain

Aber nicht nur für die Familie Heinrich waren die Jahre nach 1989 mit z. T. dramatischen Wechseln in den Lebensumständen verbunden. Die, auf den ausdrücklichen Wunsch eines Großteils der DDR-Bevölkerung, sehr rasch erfolgte Wiedervereinigung stellte das Leben vieler DDR-Bürger auf den Kopf.

In seinem Bericht (leicht gekürzt) schreibt Siegfried Heinrich: „Die mit der gesellschaftlichen Wende entstandene Lage, für viele mit persönlichen Problemen belastet, sowie die zu erwartenden tiefen Veränderungen im sozialen Umfeld waren der Anlass, dass sich eine Gruppe zusammenfand, um endlich eine organisierte legale Interessenvertretung der Bürger zu gründen“. Aus dieser „Waldstraßenviertel-Initiative“ entstand 1991 der heutige Verein, dem Siegfried Heinrich als Gründungsmitglied und erster Schatzmeister (bis Ende 2000) einen großen Teil seiner Zeit widmete.

Auch er und seine Familie waren schließlich von den Sanierungen betroffen. Seit 1968 wohnten sie in der Auenstraße (heute Hinrichsenstraße), wo sie ihre sechs Kinder großzogen und wo sie, wie viele Mieter im Viertel, mit eigenen Mitteln und soweit als möglich für den Erhalt des Wohnraums gesorgt hatten. Doch 1997 mussten sie dem Druck der Sanierer weichen, die sich nicht scheuten, Wasser und Strom abzustellen. Für zwei Jahre zogen sie in die Waldstraße, bis sie schließlich in der Elsterstraße ihr neues Zuhause fanden. Umgeben von Sportmemorabilien, die Siegfried Heinrich sammelt, und den Malereien seiner Frau, haben sie auch heute noch ihr Viertel fest im Blick.

Petra Cain

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1 Kommentar

  1. Guten Tag,lieber Herr Heinrich…lang,lang ist es her.Ich sitze gerade mit Hella Porstmann verheiratet Sohr zusammen.Wir würde uns sehr freuen,von Ihnen zu hören .Carola Thörmer geborene Lunkenbein.carola.thoermer@freenet.de Herzliche Carola und Hella

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